Was macht einen guten Lehrer aus?

"Faul und überbezahlt!", "Lehrer haben zu viel Freizeit", "Nur schlechte Schüler werden Lehrer", "Lehrer sind nur am Jammern": Kaum eine Berufsgruppe ist mit so vielen negativen Vorurteilen belastet wie die der Lehrer. Fast ganz Deutschland beklagt sich über die Bildungsmisere. Da verwundert es nicht, dass gerade Pädagogen ganz besonders aufmerksam beäugt werden. Eltern fordern bestmögliche Förderung für ihr Kind - gut ausgebildete, hochkompetente Lehrer schließt diese Forderung mit ein. Doch was ist es, das einen guten Lehrer ausmacht? Wir nennen die wichtigsten Kriterien und räumen mit den häufigsten Vorurteilen auf.

"Selbstsicheres Auftreten, keine Scheu vor Konflikten, kommunikative Fähigkeiten", nennt Elsbeth Stern, Lernforscherin an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich, in der Zeitschrift "Gehirn & Geist" als Charaktereigenschaften, die einem Lehrer in der Ausübung seines Berufs zugute kommen. Doch eine "ideale Lehrerpersönlichkeit" gebe es nicht. Vielmehr sind pädagogische Fähigkeiten etwas, das man lernen müsse.


Mit Begeisterung und Überzeugung

Eine wesentliche Qualität eines erfolgreichen Lehrers ist es, seinen Schülern die Bedeutung des Lernstoffes zu verdeutlichen. Die Schüler müssen verstehen, dass das, was sie hier lernen, wirklich wichtig ist. Dies verlangt vom Lehrer ein hohes Maß an Eigenmotivation, Begeisterung für die Themen, die man den Kindern näher bringen möchte, und das entsprechende Fachwissen. Denn: "Ein guter Lehrer macht glaubhaft, dass er selbst hinter den Lehrinhalten steht. Lehrer dürfen daher mit ihrem Unterrichtsfach nicht auf Kriegsfuß stehen", sagt Elsbeth Stern. Das gilt bereits für grundlegende Bereiche wie Lesen, Schreiben und Rechnen in der Grundschule. Einem guten Pädagogen gelingt es klar zu machen, wie bedeutsam diese Fertigkeiten sind - aber auch wie viel Spaß sie bereiten können.


Flexibilität gefragt

Als weitere essentielle Fähigkeit eines Lehrers nennt Stern Flexibilität. Immer wieder sind Lehrer gezwungen sich auf neue Bedingungen einzustellen. Das Schulpersonal, die Mitarbeiter, aber auch die technische Ausstattung einer Schule verändern sich regelmäßig. Vor allem jedoch muss ein Lehrer flexibel genug sein, um sich ständig aufs Neue auf unterschiedliche Schüler einzustellen. Kein Schüler ist wie der andere und der Ruf nach individueller Förderung der Kinder wird zunehmend größer. Für den Lehrer geht es darum, individuelle Lerndefizite wie auch bestimmte Stärken der Schüler zu erkennen und darauf soweit wie möglich einzugehen. Routine und Vorurteile, durch die manche Kinder bequem in eine Schublade gesteckt werden, sind deshalb Gift im Umgang mit den Schülern. "Wer nur noch nach 'Schema F' vorgeht, unterrichtet an den Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen vorbei", so Stern.


Das Eingehen auf die Bedürfnisse der einzelnen Schüler wirkt sich schließlich auch positiv auf das Verhältnis zwischen Lehrer und Schüler aus - und wie wichtig die Qualität dieser Beziehung ist, haben in den letzten Jahren gleich mehrere Untersuchungen belegt. Beispielsweise belegten die Studien des Psychologen Victor Battistich von der University of Missouri in St. Louis, dass Kinder, die persönliche Unterstützung in ihrer Schule erleben, eine weitaus positivere Einstellung zum Lernen und mehr Freude daran haben als andere. Diese Kinder zeigen auch deutlich größeres Interesse und mehr Eigeninitiative in schulischen Angelegenheiten.

Lehrer müssen belastbar sein

Wie Uwe Schaarschmidt, Psychologe von der Universität Potsdam, ebenfalls in "Gehirn und Geist" erklärt, beweisen fast alle einschlägigen Analysen zu dem Thema, dass Lehrer entgegen allen Vorurteilen mehr arbeiten als andere Arbeitnehmer. Dazu sind sie meistens gezwungen ein Stück ihres Privatlebens aufzugeben, denn Lehrer nehmen häufig Arbeit mit nach Hause und korrigieren zum Beispiel


Klassenarbeiten am Abend oder am Wochenende - auf Dauer eine enorme Belastung. Für viele ist sie zu groß: Laut der großen "Postdamer Lehrerstudie", die in den Jahren 1999 bis 2006 durchgeführt wurde und für die etwa 16.000 Lehrkräfte sowie 2500 Lehramtsstudenten und Referendare befragt wurden, bewältigen nur 17 Prozent der Lehrer in Deutschland die Anforderungen auf gesundheitsförderliche Weise. Beinahe 60 Prozent lassen sogar ernste Probleme wie zum Beispiel Burn-Out-Syndrom erkennen.

Um ein hohes Niveau in der Ausübung des Jobs halten zu können, benötigen Lehrer deshalb emotionale Belastbarkeit, Selbstvertrauen und ein starkes Durchsetzungsvermögen. Mit neuen Schülern und Klassen sowie neuen Verordnungen, Lehrinhalten und Entwicklungen verändern sich regelmäßig die Anforderungen für die Lehrer. Um Schritt zu halten und den damit entstehenden zusätzlichen Belastungen entgegenzuwirken, ist es für Pädagogen dringend notwendig sich selbst zu hinterfragen und sich schließlich auch weiterzubilden. Die "Potsdamer Lehrerstudie" zeigte, dass das Maß der Überforderung eines Lehrers stark mit dessen Kompetenz zusammenhängt. Von Burn-Out betroffene Lehrer "bescheinigen sich oft Schwierigkeiten in der Kommunikation speziell mit Schülern und Eltern, und sie verweisen häufiger als andere Lehrkräfte auf fachliche und didaktische Mängel", sagt Schaarschmidt.

Was Lehrern die Arbeit erschwert

Zurecht fordern Eltern hohe Qualität bei den Lehrern. Doch oft haben Lehrer mit Arbeitsbedingungen zu kämpfen, die ihnen das Leben erschweren. Hier sind fünf Schwierigkeiten, mit denen Lehrer sich zusätzlich auseinandersetzen müssen:
  • Neben der Vermittlung von Lehrinhalten müssen Lehrer außerdem Erziehungsaufgaben bewältigen. Eine Anforderung, der ein einzelner Lehrer angesichts der großen Schulklassen nur schwer gerecht werden kann. Kleinere Klassen und mehr Schulpsychologen, Sozialpädagogen und Sozialarbeiter könnten die Lehrer entlasten.

  • Ständige Reformen und kleinere Veränderungen im Bildungssystem machen kontinuierliche Arbeit für Lehrer nahezu unmöglich. Gönnte man sich für manche Neuerung mehr Zeit und Überlegung, würde das auch den Druck auf die Lehrer verringern.

  • Um die freie Zeit der Lehrer zu entlasten, wären dringend mehr unterrichtsfreie Phasen sowie Arbeits- und Rückzugsräume für Lehrer in der Schule nötig. Die meisten Lehrer besitzen dort keinen persönlichen Arbeitsplatz.

  • Die Ausbildung der Lehrer hinkt den Erkenntnisse der Forschung hinterher: Noch immer wird an den Universitäten Fachwissen und Pädagogik gesondert gelehrt. Wie der angehende Lehrer später diese beiden Bereiche miteinander verbindet, ist letztendlich ihm überlassen. Es wäre deshalb wichtig, dass die Lehramtsstudenten sich für jedes Unterrichtsfach auch spezielles pädagogisches Wissen aneignen können.

  • In Deutschland werden nach der vierten Klasse - und damit sehr früh - Kinder verschiedenen Schulformen zugewiesen. Es bleibt den Lehrern in den Grundschulen somit nur wenig Zeit auf die individuellen Bedürfnisse der Kinder einzugehen und die Schüler mit all ihren Stärken und Schwächen kennenzulernen.

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